Gedanken zum 1. Sonntag nach dem Trinitatisfest

Gedeckter Tisch auf der Konfifreizeit in Obing 2019
Bildrechte: Martina Buck

Ein Kind sitzt im Sandkasten mit einem Berg von Spielsachen: Schaufeln und Bagger und Sandförmchen und Gießkännchen und Eimer. Ein zweites Kind kommt, es hat gar kein einziges Spielzeug dabei. Und obwohl das erste Kind ja nur mit zwei Förmchen gleichzeitig spielen kann, gibt es nichts ab. Das zweite Kind fängt an zu weinen, Erwachsene reden mit Engelszungen auf das Kind mit den Spielsachen ein. Doch es gibt nichts von seinem Besitz ab. 

So können Kinder sein. Aber nicht nur so: Dasselbe Kind wird vielleicht am selben Abend mit seiner Oma am Tisch sitzen, und ihr – Löffel für Löffel – von seinem Lieblingsjoghurt abgeben. Nicht weil die Oma diesen Joghurt unbedingt haben will, sondern weil das Kind diesen unbedingt mit seiner Oma teilen möchte. Um ihr zu sagen: So lieb habe ich dich, dass ich dir von meinem Lieblingsessen abgebe.

Wir schwanken zwischen Sandkasten und Joghurt, zwischen großzügigem Teilen und Festhalten am Besitz, egal, wie es dem anderen geht.

Die Geschichte von der Gemeinschaft der ersten christlichen Gemeinde aus der Apostelgeschichte lehrt uns, den Blick wegzunehmen von dem, was wir an materiellem Besitz haben. Die Geschichte lenkt unseren Blick auf die Menschen neben uns. Ein Herz und eine Seele sein, wie von der ersten Gemeinde berichtet wird, das geht nur, wenn wir einander nahe kommen, wenn auch die, die weniger haben und unsere Hilfe brauchen, uns nahe kommen können und wir auf sie sehen und nicht nur auf uns und unsere Berge von (Spiel-)Sachen.

Und die Geschichte lenkt unseren Blick auf den inneren Reichtum, der uns von Gott geschenkt ist. Eine große Gnade war in der Gemeinde greifbar und spürbar, weil Christus auferstanden ist. Aus dieser Erfahrung der Fülle heraus teilen die Reichen ihren Besitz, damit kein Mangel herrscht. Innerer Reichtum zeigt sich auch im Teilen des materiellen Reichtums.

Aber es ist leichter, vom Mangel zu reden, über das, was uns gerade zur Zeit fehlt, worauf wir ein Anrecht hätten, was uns die anderen wegzunehmen drohen. Heute sind wir aber eingeladen, den Blick zu lenken auf das, was uns von Gott geschenkt ist. Und zu teilen, was den anderen dient.

Bleiben Sie behütet und gesund,

Ihre Pfarrerin Martina Buck