Gedanken zum 10. Sonntag nach dem Trinitatisfest

Sinai
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Dieser Sonntag heißt auch Israelsonntag. Während in der Vergangenheit an diesem Tag die vermeintliche Überlegenheit des Christentums demonstriert wurde, stehen heute die Aufarbeitung auch der kirchlichen Mitschuld und die Trauer über das Unrecht, das den Juden angetan wurde, sowie die heutigen guten Beziehungen zwischen Juden- und Christentum im Vordergrund.

Der Israelsonntag liegt zeitlich in der Nähe zum 9. Tag des jüdischen Monats Aw. Im Judentum gedenkt man an diesem Tag der Zerstörung sowohl des salomonischen Tempels durch die Babylonier 586 vor Christus als auch des herodianischen Tempels durch die Römer im Jahr 70 nach Christus.

Als Saulus vor Damaskus zum Paulus wurde, als aus dem Christenhasser der Begeisterte für die Sache Jesu wurde, stand der Tempel noch. Aber die Frage für Paulus war schon, ob Gott noch zu dem Volk Israel steht, ob die Zusagen, wie wir sie im Buch Exodus lesen, noch stimmen.

Im 11. Kapitel des Römerbriefes sagt Paulus es ganz klar: „Und so wird ganz Israel gerettet werden!“ (Rö 11, 6) Und zwar dann, wenn alle Heiden gerettet sind, so die Aussage des Paulus. Gottes Barmherzigkeit gilt allen, Gott selbst wird die Juden retten, nicht wir Christen, nicht die Kirche, die Rettung hat er sozusagen zur Chefsache erklärt.

Gott bleibt sich treu, er bleibt seinem Ja zu Israel treu - und er bleibt auch dem Ja zu uns, ausgesprochen bei unserer Taufe, treu. Gott irrt sich nicht, er bleibt barmherzig, auch wenn wir untreu werden Gott gegenüber und unbarmherzig zu anderen und zu uns selbst.

Weil Gott dem Volk Israel treu bleibt, sind wir Christen es auch! Deshalb ist es unsere Aufgabe, dass wir uns gegen jede Form von Antisemitismus einsetzen.

Der Israelsonntag zeigt deutlich, dass Gott einen Plan hat, der über uns einzelne Menschen weit hinausragt. Wir kreisen ja oft um uns selbst und meinen, alle anderen - und Gott - müssten das auch tun. Gott aber zieht einen großen Kreis um alle und keiner bleibt außen. Vielleicht hilft uns dieser Gedanke manchmal, wenn wir uns zu wichtig nehmen. Wir sind Gott wichtig, sein Ja bleibt, aber wir sind Teil seines ganz großen Plans, Gott hat uns alle im Blick!

Bleiben Sie behütet und gesund,
Ihre Pfarrerin Martina Buck