Gedanken zum 2. Sonntag nach dem Trinitatisfest

Komm doch mal her! Diese Aufforderung kann unterschiedlich klingen: Mal drohend, wenn einen der Chef oder die Lehrerin her zitiert. Mal bittend, weil jemand Hilfe braucht. Oder es ist eine Einladung: Komm, ich lade dich zum Essen ein! Lass es dir gut gehen!

Im Evangelium ruft Jesus die Mühseligen und Beladenen zu sich, er lädt sie ein zu kommen. Wir würden vielleicht erwarten, dass er hingeht zu den Bedürftigen. Aber es ist genau umgekehrt, er bringt die, die meinen, nichts mehr zu können oder nichts mehr wert zu sein, in Bewegung, er lässt sie nicht sitzen in ihrer Ausweglosigkeit. Ich bin davon überzeugt, dass Jesus jedem die Kraft für diesen Weg, und wenn es nur die Kraft für einen Schritt sein mag. So gibt Jesus jedem Menschen seine eigene Würde zurück.

„Ich will euch erquicken, ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen!“
Jesus fragt nicht, warum wir schwach sind, warum wir schuldig werden, wenn Menschen bei ihm sind, dann zählt nur noch diese Verbindung. Die Seele kann Ruhe finden, weil wir nicht länger nach Bestätigung oder Liebe suchen müssen, wir müssen nicht mehr hadern mit Gott und der Welt, sondern finden zur Ruhe, die nicht wir selbst uns schaffen müssen.

Ikone
Bildrechte: Martina Buck

Und die Seele wird erquickt, neu belebt, weil ja die Seele zur Ruhe kommen mag, aber unser Körper soll durchaus aktiv: Jesus schickt uns ja dann in die Welt, um von ihm zu erzählen und um zu helfen und Nächstenliebe zu üben. Aber zuerst ruft er uns zu sich. Und nicht umgekehrt.

Wo können wir Jesus begegnen? Wo finden wir ihn heute?

„Kommt her, ihr seid geladen“, das Wochenlied weist uns den Weg zum Abendmahl, der uns leider im Moment verwehrt ist. Die Ikone auf der Seite nebenan zeigt uns einen anderen Weg, um zu Jesus zu kommen: Jesus legt seinen Arm um seinen Freund. Ich darf diesen Bild anschauen und mich an die Seite Jesu denken und spüren, dass er seinen Arm um mich legt und mit mir geht.

Oder wir Menschen sprechen die Einladung Jesu an seiner Stelle aus: „Komm, ich lade dich heute zum Essen ein, ich sehe, dass es dir gerade nicht gut geht.“ Nehmen wir die Einladung an! Kommt her!

Bleiben Sie behütet und gesund, 
Ihre Pfarrerin Martina Buck