Gedanken zum 6. Sonntag nach dem Trinitatisfest

Neues Lied
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„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“
Dieses Wort aus dem 98. Psalm ist eine klare Aufforderung! Doch, wo finden wir ein neues Lied? Ist ein neues Lied eines, das nach 1960 geschrieben wurde? Oder ist das auch schon wieder alt?

Dietrich Bonhoeffer gibt in einer Predigt aus dem Jahr 1934 eine andere Richtung vor. Es geht nämlich nicht um das Entstehungsjahr eines Liedes.

„Neu ist dasjenige Lied, das den Menschen neu macht, das aus Dunkelheit und Sorgen und Angst hervorbricht zu neuer Hoffnung, neuem Glauben, neuem Vertrauen.  Neu ist das Lied, das Gott selbst neu in uns erweckt - und ob es ein uraltes Lied wäre -, der Gott, der sich, wie es bei Hiob heißt, „Lobgesänge schafft mitten in der Nacht." 

Der Mensch wird neu, findet neue Hoffnung, neuen Glauben, kann neu vertrauen. Das ist das Kriterium für das neue Lied und nicht ein Entstehungsjahr. Neues kann im Menschen entstehen, wenn er Lobgesänge in der Nacht singt. Wie Paulus und Silas im Gefängnis, die inmitten der Nacht Gott loben können. In all ihren Schmerzen, in der Sorge um ihre Zukunft, vermögen die beiden es, auf Gott zu blicken und ihm zu singen, ihn zu loben. Weil Gottes Liebe sich nie einsperren lässt.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! Das, was der Psalmdichter 500 Jahre vor Paulus schreibt, wird wahr: Die Fesseln fallen ab von Paulus und Silas, die Türen öffnen sich. 

Wenn wir Freiheit erfahren, von Gott befreit werden, dann singen wir ein neues Lied: Es ist das Lied von Jesus Christus, so schreibt es Dietrich Bonhoeffer, das Lied vom Sohn Gottes, der die Menschen befreit von Krankheit und Schuld.

Wir sind eingeladen, dieses Lied immer wieder selbst zu singen. Auch wenn wir meinen, dass wir in der Dunkelheit feststecken. Bei unserer Taufe hat Jesus Christus uns zugesagt, dass er bei uns ist alle Tage, egal was auch kommen wird. Diese Gewissheit, dass wir nie alleine sind, auch im größten Leid nicht, kann uns neue Wege eröffnen. Vielleicht ist es nur ein Schritt, aber es ist Bewegung und ein Neubeginn, mit einem Lied auf den Lippen.

Bleiben Sie behütet und gesund, 
Ihre Pfarrerin Martina Buck