Gedanken zum 7. Sonntag nach dem Trinitatisfest

Kreuz
Bildrechte: Eszter Huszar-Kalit

Der 7. Sonntag nach Trinitatis hat in seinem Mittelpunkt das Brot des Lebens, Jesus Christus, der sich uns im Abendmahl, in der Gemeinschaft oder durch das Wort und den persönlichen Glauben schenkt. Im Abendmahl dürfen wir erleben, dass wir zu ihm mit unseren Sorgen, Ängsten, unserem schweren Gewissen kommen. Er tritt zu uns in der Abendmahlliturgie. In den Einsetzungsworten hört man immer wieder seine Tragödie, aber auch die heilende Katharsis. „Mein Leib, der für euch gegeben wird…Das Blut des neuen Testaments…“ Diese heilende Kraft berührt uns und schenkt uns barmherzig einen neuen Beginn. Er schenkt uns nicht nur die Befreiung, sondern auch die Gemeinschaft derer, die seine Heilung erleben. Er einigt uns trotz aller Unterschiede. Wir gehören nicht nur zu verschiedenen Nationen, sondern wir gehören auch zu ihm.

Der dreifache Aufruf aus dem Brief an die Hebräer klingt irgendwie bekannt. Man sollte irgendwie immer gastfreundlich sein und die Misshandelten unterstützen… Immer wieder die Gemeinschaft bauen. Als ob das so einfach wäre?! 2015 spürten wir die Probleme des Nahen Ostens hautnah und Europa wurde auf die Probe gestellt. Wie weit können wir gastfreundlich sein? Es ist nicht immer so einfach. Jetzt in der Corona -Zeit hat eine andere große Probe ihren Anfang genommen. Wegen der Ansteckungsgefahr ist Distanz angesagt. Einige Begegnungen, größere Treffen sind nicht empfehlenswert. Auf die Nähe des Händeschüttelns und der Umarmung müssen wir verzichten. Wie soll man so Gemeinschaft erleben? Ich lerne seit ein paar Jahren, wie wichtig und bereichernd der Austausch mit Fremden trotz aller Schwierigkeiten sein kann. Der Philosoph Martin Buber sagt, eigentlich kann ich mich selber nur durch den anderen, durch ein Gegenüber richtig erkennen. Der Philosoph Emmanule Levinas geht noch einen Schritt weiter. Dieser Andere bleibt teilweise fremd. Doch nur durch die Begegnung mit dem Fremden kann ich mich weiterentwickeln. Im Unbekannten kann man das Antlitz Gottes, mit seinem reichen Geheimnis erleben. Diese Gastfreundschaft ist aber ein Schlüssel zur Zukunft. Diese Begegnungen schenken uns eine neue Perspektive, die uns Gottes Plan mit unserem Leben näher bringt. Wir überdenken unsere gewohnten Regeln und entdecken Raum für neue Freiheit, für Wachstum. Wenn wir den Fremden, den Gefangenen oder Bedürftigen treffen oder sogar helfen, lernen wir durch diese andere Perspektive unser Leben zu schätzen. Wir teilen auch die Gaben, die wir haben. Wenn eine Begegnung aber nicht stattfindet oder herausfordern ist, ist es immer wieder gut zum Meister der Begegnungen zurückzukehren. Ohne Abendmahl ist es schwieriger seine heilende Kraft näher zu erfahren. Ich bin mir aber sicher, er schafft es jetzt trotz Corona die Menschen zu berühren und zu einigen. Sein Wort tröstet und stärkt uns. Er schenkt uns seine Einheit durch sein Wort.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Vikarin Eszter Huszar-Kalit