Gedanken zum 9. Sonntag nach dem Trinitatisfest

Goldfische
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Die Reformation ist jetzt über 500 Jahre her. Nach einem halben Jahrtausend ist klar, dass wir als Christen alle berufen sind. Wir sollen nicht nur passive Zuhörer sein, sondern wir sind gerufen mit unserem Leben die Barmherzigkeit Gottes sichtbar zu machen. Jetzt nach einem halben Jahrtausend ist diese Aufgabe besonders wichtig. Um unsere Aufgabe aus einer neuer Perspektive verstehen zu können, lade ich euch zu einer kleinen Reise ein.

Dieses Jahr darf man zwar nicht real nach Bosnia-Herzegovina, nach Südosteuropa reisen, aber wohin wir in Gedanken reisen, kann uns keiner verbieten. Dieses Land hat auch ein kleines Stück am wunderschönen Adriatischen Meer. Aber lasst uns jetzt zu einem See reisen. Bei einem Dorf mit Namen Jezero liegen mehrere Seen. Bei einem kleineren See liegt ein schöner Hof mit einem schönen Haus. Im See sind goldene Fische. Zwei junge Männer mit großem Fachwissen füttern sie und regelmässig fischen sie einige für ein Aquarium heraus. Sie handeln mit diesen Fischen und viele kleine Kinder verlassen diesen Hof fröhlich mit ihrem neuen Fisch.

Der Hof ist fröhlich und von einer traumhaften Natur umgeben. Wenn man genauer hinschaut, sieht man im Dorf auch noch einige Ruinen. Lass uns die junge Männer fragen: Wie klingt die Geschichte dieses Dorfes? Was sie erzählen, ist traurig und erschreckend…und nicht nur das… Das Dorf lag nach dem Bosnienkriege zwischen 1992-1995 in Trümmern. Mehrere tausend Menschen haben ihr Leben verloren. Aber woher haben sie dieses schöne, hübsche Haus und die Fische? Ihr Vater hat ihnen 1990 zwei Goldfische geschenkt. Zwei Jahre später mussten sie mit ihrer Mutter mitten in der Nacht fliehen. Der Vater ist zurückgeblieben, um zu kämpfen und leider schnell im Krieg gefallen. Die Mutter hat sich zurück geschlichen um ihren Mann zu beerdigen und aus dem Haus zu retten, was zu retten war. Sie hat sich auch der beiden Fische erbarmt und sie in den See geworfen. Als sie 1995, also drei Jahre später, nach Hause kommen konnten, war das Haus nicht mehr wiederzuerkennen. Der See aber glänzte von den Fischen. Die halb verwaisten Jungs haben schnell verstanden, dass ihr Vater sich auf diesem Weg um sie gekümmert hat. Sie haben die Goldfischzüchterei weiterentwickelt. So konnten sie das Haus renovieren.

Es ist schmerzhaft, aber wir müssen annehmen, dass die Welt mit ihrer gesamten Bevölkerung und Wirtschaft die zerstörerische Kraft des Virus erlebt. Manche Sachen werden sich ändern. Es mag sein, dass die Zerstörung noch nicht zu Ende ist. Danach kommt aber Leben, pflanzen und bauen. Wir dürfen mit Gottes Vertrauen im Herzen durch diese Krise gehen. Diese Perspektive bereichert heute unsere Aufgabe. Wir sind tätig in ganz unterschiedlichen Bereiche, aber uns trägt die gleiche Hoffnung. Wir dürfen uns in Hoffnung und Zuversicht stärken. Am Ende wird der Teich mit den Fischen auf uns warten.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Vikarin Eszter Huszar-Kalit