Gedanken zum Sonntag Misericordias Domini

Hirte
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Das Bild von den Schafen mit dem Hirten ist eines, das ganz unterschiedliche, manchmal auch widersprüchliche Reaktionen hervorruft: 
Manche rufen empört: „Ich bin doch kein Schaf!“, und schon gar kein blödes. Doch Forscher an der Universität Cambridge fanden heraus, dass Schafe weitaus klüger sind als gemeinhin geglaubt. Sie können sich hervorragend räumlich orientieren, sich sehr gut an ihre Umgebung erinnern und sogar menschliche Gesichter erkennen und unterscheiden. Ihr Gedächtnis ist außergewöhnlich. Selbst nach Jahren der Trennung erkennen sich befreundete Schafe wieder. Es ist also ein passender Vergleich, den Jesus hier zieht: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.“ Schafe folgen nicht jedem Hirten. Sie können durchaus unterscheiden, wer ihr Hirte ist.

Vielleicht erinnern wir uns auch wehmütig ans Schäferfest in Hochmutting im letzten Jahr, als während des ökumenischen Gottesdienstes ein Lämmchen geboren wurde und wir unbeschwert gemeinsam feiern konnten. Wir spüren unsere Sehnsucht nach „der Herde“, nach den anderen, nach Gemeinschaft. Und auch die Sehnsucht nach Halt, nach Geborgenheit, danach, dass uns jemand beschützt und aus dieser Zeit der Krise führt. Wir stellen freilich fest, dass wir Menschen den Weg aus der Krise nicht kennen, alle menschlichen Wege sind momentan nur für kurze Wegstrecken überschaubar und Entscheidungen bleiben fehlbar. Der Gedanke, dass Gott uns durch diese Krise führt, und sei der Weg auch noch so schwer und finster, hilft, weil wir ihn an unserer Seite wissen.

Und noch ein Stichwort ist derzeit in aller Munde: Die „Herdenimmunität“ ist in der Corona-Krise als Alternative zur Ausgangssperre diskutiert worden. Schule, Kitas, Läden bleiben offen, man lässt die Infektion eines Großteiles der Bevölkerung zu – und nimmt Tote in Kauf. Das Modell der Herdenimmunität geht also davon aus, dass ein Teil der Herde, vor allem die Älteren und Schwächeren, verlorengeht. Das ist nicht das, was Jesus will. Er kümmert sich um jedes Schaf, das verlorengeht und nicht mehr mitkommt. Nur so kann er ein guter Hirte sein, nur so können wir ihm vertrauen und folgen.

Bleiben Sie behütet und gesund, 

Ihre Pfarrerin Martina Buck

In diesem PDF finden Sie auch noch die Lesung und ein Gebet.

Ökumenisches Wort zum Sonntag

Vielleicht haben Sie sich schon über die Audiobotschaften von Pfarrer Uli Kampe und Pfarrerin Martina Buck gewundert, die hier auf der Homepage stehen. Vor allem, weil die an die „Oberschleißheimer in der Parksiedlung“ gerichtet sind! Diese Botschaften sind aber tatsächlich in der Parksiedlung am Sonntagabend um 18 Uhr zu hören, und zwar über große Lautsprecher von Bernd Steinert. Es wird auch immer Musik gespielt, die die Menschen in dieser schweren Zeit erfreuen will. Und so wurden eben auch die beiden Pfarrer gefragt, ob sie nicht auch einige Worte an die Menschen richten möchten. In großer ökumenischer Verbundenheit und auch in Verbindung über die Religionsgrenzen hinweg haben beide Pfarrer die Gelegenheit aufgegriffen, an alle Worte des Trostes und der Hoffnung weiterzugeben.