Gedanken zum Sonntag

Palmsonntag

Jesus zieht in Jerusalem ein, die Menschen jubeln ihm zu, so war es damals, heuer wäre der Einzug abgesagt, zuviele Menschen, zuviel Kontakt! Und auch die Salbung in Bethanien wäre nicht möglich, das Unterkommen und Essen bei Freunden, eine fremde Frau, die Jesus berührt und salbt. Wir lesen heuer diese Geschichten unter dem Vorzeichen der Corona-Krise.

Diese Geschichten zeigen uns aber auch, wie sehr Jesus einer von uns war, auf Begegnung, ja auf Körperkontakt angewiesen war. Selbst die Jünger damals murrten, freilich aus anderen Gründen. Das Geld, das die Frau für das Nardenöl ausgegeben hat, hätte vielen Armen geholfen. Jesus aber lässt dieses Berührtsein zu. Er braucht diese Nähe im Angesicht des Todes, der Duft dieses Öles wird ihn durch die kommenden Tage tragen, der erdige, warme und tiefe Duft des Nardenöls, das bis heute das Herz beruhigt, das übermäßige Grübeln verringert und so zu innerem Frieden verhelfen kann.
 

Salböl
Bildrechte: Peter Buck

Aber auch die Frau braucht diese verschwenderische Liebe, diese Liebe im Überfluss im wahrsten Sinne. Jesus war der unbekannten Frau so wertvoll, so lieb und teuer, dass sie alle Etikette außer acht ließ und die Mahlgemeinschaft gesprengt hat, um ihr kostbares Öl über sein Haupt zu gießen.

Sie tat ihm gut. Und dann sagt Jesus noch etwas: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Das, was die Frau getan hat, ist also wichtig für das Verständnis des Evangeliums, es ist auch wichtig für unseren Glauben! Denn verschwenderische Liebe gehört zum Evangelium dazu. Es verdankt sich ja selbst einer verschwenderischen Liebe, der Liebe Gottes. Gott berechnet seine Liebe nicht, um sie dann wohldosiert auszuteilen. Gott liebt, ohne abzuwägen, bei wem sich seine Liebe lohnen würde und wo sie vielleicht vergebliche Liebesmühe wäre.

So von Gottes grenzenloser Liebe getragen gehen wir in und durch diese Karwoche, wir können uns fragen, wie unsere überfließende Liebe zu Gott, zu Jesus Christus aussieht, und wie wir den Menschen gerade jetzt, wo unsere Kontaktmöglichkeiten so eingeschränkt sind, liebevoll begegnen können.

Bleiben Sie behütet und gesund, Ihre Martina Buck

In diesem PDF finden Sie auch noch die Lesung und ein Gebet.

Audiobotschaft von Pfarrerin Martin Buck und Pfarrer Ulrich Kampe zum Palmsonntag:


Judika

Immer wieder gibt es in unserem Leben Zeiten, die sich wie eine Strafe anfühlen. Lebensbedrohende Angst, große Verluste, Trauer um Menschen oder Träume bringen uns in Situationen, in denen wir Gott anschreien und unser vermeintliches Recht auf etwas Besseres einklagen wollen. Das Urteil des Schicksals schmerzt und es kommt uns vor, als wären wir in der Wüste. 

Die Corona-Krise ist auch ein Einschnitt in unserer Geschichte, sie ist auch eine Wüstenzeit. Diese Zeiten werfen immer wieder große, existentielle Fragen auf: Was gibt mir die Kraft, dass ich trotz der großen Unsicherheit, trotz der Bedrohung und einer Welt, die auf eine harte Probe gestellt wird, zuversichtlich bleibe?
 

Perle
Bildrechte: Adobe Stock

Wir kennen die Wunder der Perlen. Eine Muschel bildet eine Perle als Abwehrmechanismus gegen Fremdkörper. Der Sand der Wüste schmerzt das Leben, aber mit der Zeit entwickelt sich ein kostbarer, kräftiger Schatz. 

Die Zeit mit Corona ist für uns alle eine schmerzhafte Erfahrung. Wir wissen aber, dass das Leid, die Zeit der Passion uns nicht vernichten kann. Wir sind in den Händen unseres Meisters, unseres ewigen, mitleidenden und barmherzigen Gottes, der uns auch in der tiefsten Dunkelheit erhält.

Die Wüste und damit auch unsere letzten zwei Wochen in der Fastenzeit sind etwas Kostbares. Die Perle, die feste und kreative Liebe zu unserer Familie und unseren Mitmenschen, der hoffnungsvolle Lebensmut, die fröhliche Bereitschaft anderen zu dienen und das standhafte Vertrauen in Gott können sich in dieser Zeit wunderbar entwickeln. Ein wichtiges Werkzeug haben wir dazu bekommen: das Wunder des Gebets. Lasst es uns neu entdecken. Ein Armband, wie die Perlen des Glaubens, oder unsere ganz einfache Ehrlichkeit können uns dabei helfen. Gott ist bereit, unsere Klage, Dank, Unsicherheit und Sorgen anzunehmen.

Amen.

Ihre Vikarin Eszter Huszar-Kalit

In diesem PDF finden Sie auch noch die Lesung, den Wochenspruch und ein Gebet.


Lätare – Freuet euch, heißt es mitten in der Passionszeit!

Aber mit der Freude ist derzeit nicht weit her. Die Kontakte sind eingeschränkt. Das Leben findet nur noch im kleinen Kreis statt. Die Sorge um die Familie, um andere Menschen hier in Oberschleißheim, um unser Land bedrängen uns.

Da hinein wird ein Strauß mit Zweigen und Bändern gestellt – ein Strauß der Freude mitten im Leid, ein Lätare-Strauß in der Passionszeit.Der Strauß soll Freude machen, nicht nur ablenken. Er soll Freude machen, weil Gott selbst uns nahe ist, auch im Leid.
 

Lätarestrauß
Bildrechte: Martina Buck

Drei Zweige hat der Strauß, drei Bänder und drei Brezen. Die Zweige mit den Knospen stehen dafür, dass das Leben siegt. Wir bleiben nicht gefangen im Leid und der Sorge, sondern bekommen Hoffnung und Zukunft. Die Bänder stehen für die noch kommenden Sonntage der Passionszeit – rosa für den Sonntag Lätare, auch „Klein-Ostern“ genannt, die violetten Bänder stehen für die Passionssonntage, die noch kommen. Die Brezen – in Form einer Acht – stehen für die Ewigkeit Gottes. Er ist da für uns und sorgt für uns – von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Normalerweise muss man den Lätare-Strauß verschenken, um anderen eine Freude zu machen und die Hoffnung auf Gott weiterzusagen. Das können wir derzeit nicht machen. So will ich eben auf diesem Wege mit Ihnen, mit Euch die Hoffnung teilen, und die Dankbarkeit darüber, dass Gott uns trösten will wie eine Mutter. Dieses Wort des Propheten Jesaja möge uns durch diese Woche begleiten.

Ihre / Eure Martina Buck